Internationale Ermittlungen enthüllen Verbindungen zwischen Malta und illegalen Glücksspielangeboten in Deutschland
Geschrieben von Frankie Weber · 27.9.2026

Internationale Ermittlungen enthüllen Verbindungen zwischen Malta und illegalen Glücksspielangeboten in Deutschland

Journalisten von NRK, NDR, SVT sowie Follow the Money haben gemeinsam mit der Sicherheitsforscherin Lilith Wittmann Dokumente der Malta Gaming Authority und der Curaçao Gaming Authority ausgewertet, die mehrere Malta-ansässige Unternehmen mit mutmaßlich illegalen Online-Glücksspielaktivitäten in Deutschland in Verbindung bringen. Die Berichte stützen sich auf Material, das durch einen Datenvorfall zugänglich wurde, und beschreiben detaillierte Lizenzverläufe sowie Transaktionsstrukturen, die auf systematische Umgehung deutscher Vorschriften hindeuten.
Hintergründe der Dokumentenanalyse
Die Malta Gaming Authority erteilte früher Lizenzen an Betreiber wie Red Rhino, dessen Plattform später als Platincasino bekannt wurde und anschließend an eine Curaçao-Gesellschaft überging. Journalisten rekonstruierten anhand der Unterlagen, dass diese Plattform als größtes illegales Casino in Deutschland galt und Schätzungen zufolge rund 250 Millionen Euro an deutschen Glücksspielsteuern nicht entrichtet haben soll. Gleichzeitig werden Firmen erwähnt, die mit Softswiss in Verbindung stehen und ähnliche Muster bei der Zielgruppenansprache in Deutschland aufweisen.
Die Rolle der beteiligten Medienpartner
NRK aus Norwegen, NDR aus Deutschland, SVT aus Schweden und Follow the Money aus den Niederlanden koordinierten ihre Recherchen über mehrere Monate, um die grenzüberschreitenden Strukturen nachzuvollziehen. Die Sicherheitsforscherin Lilith Wittmann steuerte technische Analysen bei, die halfen, die Authentizität und den Umfang der geleakten Aufzeichnungen einzuordnen. Gemeinsam legten die Beteiligten dar, wie Malta-lizenzierte Entitäten nach dem Verkauf an Curaçao-Gesellschaften weiterhin auf den deutschen Markt ausgerichtet blieben.
Finanzielle Dimensionen und Ermittlungsergebnisse
Deutsche Ermittler führten über drei Jahre eine Untersuchung durch, die auf Wetteinsätze von knapp sechs Milliarden Euro abzielte. Im September 2026 führte eine großangelegte Polizeioperation zur Festnahme eines mutmaßlichen früheren wirtschaftlich Berechtigten sowie zur Sicherstellung von Vermögenswerten im Wert von etwa 82 Millionen Euro. Die beteiligten Behörden dokumentierten in diesem Zusammenhang die ausbleibenden Steuerzahlungen und die fortgesetzte Tätigkeit trotz fehlender deutscher Erlaubnis.

Die veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die Plattform Platincasino über lange Zeiträume hinweg Nutzer in Deutschland erreichte, obwohl die ursprüngliche Malta-Lizenz nicht mehr aktiv war. Behörden und Medienpartner verweisen darauf, dass solche Konstruktionen typischerweise genutzt werden, um regulatorische Lücken zwischen verschiedenen Jurisdiktionen auszunutzen. Die Curaçao Gaming Authority wird in den Berichten als neue Lizenzgeberin genannt, doch die tatsächliche Kontrolle und die Steuerpflicht in Deutschland blieben ungeklärt.
Verbindungen zu weiteren Unternehmen
Neben Red Rhino und Platincasino tauchen in den ausgewerteten Dokumenten weitere Gesellschaften auf, die mit der Softwareplattform Softswiss assoziiert werden. Diese Firmen sollen ähnliche Muster bei der Bereitstellung von Spielen und der Abwicklung von Zahlungen gezeigt haben. Die Untersuchung legt dar, wie Lizenzwechsel und Eigentümerwechsel eingesetzt wurden, um die Sichtbarkeit gegenüber deutschen Aufsichtsbehörden zu verringern.
Auswirkungen auf die deutsche Regulierung
Die veröffentlichten Erkenntnisse liefern den deutschen Behörden zusätzliche Datengrundlagen für laufende Verfahren. Die Malta Gaming Authority wird über ihre offiziellen Kanäle als Quelle der ursprünglichen Lizenzdokumente genannt, während die Curaçao Gaming Authority ebenfalls in den Berichten als relevante Aufsichtsstelle erscheint. Die Ermittlungen zeigen, dass grenzüberschreitende Glücksspielangebote ohne deutsche Konzession weiterhin hohe Steuerausfälle und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können.
Schlussfolgerung
Die gemeinsame Recherche hat einen detaillierten Einblick in die Verflechtungen zwischen Malta-lizenzierten Gesellschaften und dem deutschen Markt ergeben. Die genannten Beträge für ausstehende Steuern, sichergestellte Vermögenswerte und kumulierte Wetteinsätze bilden die Grundlage für weitere rechtliche Schritte. Deutsche und internationale Behörden verfügen nun über erweiterte Dokumentationen, die in künftigen Verfahren herangezogen werden können.